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Schwarzer Freitag für die Knappen 
Sie sind Bergknappen vom Scheitel bis zur Sohle sowie mit Leib und Seele. Noch heute sitzen bei August Ratajczak und Werner Pfaffenbach Trauer und Schmerz ganz tief im Inneren, der unsägliche und weithin beklagte „Schwarze Freitag“ hat bei ihnen betrübliche Spuren hinterlassen.
An jenem 27. Oktober 1955, also heute vor 50 Jahren, fuhren die Bergleute zur letzten produktiven Förderschicht im Wolfsbergschacht bei Iba unter Tage und beendeten sie exakt um 14 Uhr. Die vorhergegangene Demonstration der über 1.000 Bergleute war vergeblich, fand keinerlei Beachtung an den exponierten Stellen. Der Kupferschiefer-Bergbau im Richelsdorfer Gebirge, wozu auch der Raum Sontra gehörte, war damit gestorben; die letzten 185 Arbeiter und 23 Angestellten von einst 1.700 Bergleuten standen vor einer ungewissen Zukunft.
Stilllegung bereits im Januar beschlossene Sache
Bereits am 10. Januar 1955 waren die Stilllegungsabsichten unmissverständlich nach Sontra durchgedrungen, der Jahre zuvor vom Bund erworbene „Baum“ wurde nun mit der Urgewalt politischer Kräfte entwurzelt. Am letzten Märztag 1955 ereilte dieses Schicksal schon den Schnepfenbuschschacht bei Bauhaus, wo zuvor der Personalbestand ohnehin von 400 auf 222 Kumpel reduziert worden war. 153 Bergleute wurden damals noch zum Wolfsbergschacht umdirigiert, von Hoffnung konnte freilich keine Rede sein, zu eindeutig hatten die Politiker in Bonn ihre Entscheidung gegen den Kupferschiefer-Bergbau getroffen.
Letzte Prüfungen bei der Lehrwerkstatt „Glück auf“
„Ende März fanden die letzten Prüfungen an der Lehrwerkstatt „Glück auf“ am Schnepfenbusch statt, die verbleibenden Auszubildenden konnten bei der Traktorenfabrik Massey-Harris in Eschwege anheuern und dort später die Gesellenprüfung ablegen“, erklärt Werner Pfaffenbach im Gespräch mit der WR. Er steht als „Vize“ des Knappenvereins Kupferschiefer-Bergbau in Sontra an der Seite des Vorsitzenden August Ratajczak und spannt den Bogen hin zum 30. März 1957, der offiziellen Todesstunde der Hessenhütte am Brodberg.
„Es fiel in den Aufgabenbereich eines Liquidators, die Anlagen, die 20 Jahre zuvor 70 Millionen Reichsmark gekostet hatten, im wahrsten Sinne des Wortes an den Mann zu bringen“, erinnert sich August Ratajczak, dass, sehr zu seinem Leidwesen, die Gerätschaften der Hessenhütte, der 50 Meter hohe Förderturm des Reichenbergschachtes bei Dens sowie die besagten Schachtanlagen Schnepfenbusch und Wolfsberg, die einst längste Drahtseilbahn Europas und das Kraftwerk, das seinerzeit 1400 Elektromotoren angetrieben hat, verkauft, verschleudert oder verschrottet wurden.
Während Massey-Harris eine Vielzahl der Kumpel aufnahm, siedelte auch im Raum Sontra Ersatzindustrie an. So boten die Firmen Vogel und Glittenberg am Brodberg (Bereich Metall und Wasserleitungszubehör), Rhein-Main-Druckguss am Wolfsberg (Spritzgussfirma) und Emil Jung am Schnepfenbusch (Werkzeugbau) neue Arbeitsplätze an.
„Das Dilemma auch nach 50 Jahren noch vor Augen“
„50 Jahre ist das alles her, aber ich habe das Dilemma noch immer vor Augen“, beleuchtete Werner Pfaffenbach noch einen weiteren wichtigen Aspekt: „Die Verwendung der von der Hessischen Heimstätte gebauten Siedlungshäuser in Sontra, Nentershausen, Iba, Solz oder Cornberg bereitete ebenfalls Probleme“, weiß Werner Pfaffenbach, dass allein Cornberg für sage und schreibe 21.000 Bergleute ausgebaut werden sollte: „So aber wurde der Krieg verloren und diese Industrie nahm kein glückliches Ende.“
„30 Millionen Tonnen Kupfer werden im Berg vermutet“
Noch weiter zurück drehte August Ratajczak das Zeitrad: „Der Zusammenbruch im Kupferschiefer-Bergbau wurde bereits in 1945 besonders spürbar. So wurden 1947 Teile der Anlagen in unserer Region abgebaut und via Eisenbahnwaggons nach Jugoslawien transportiert. Erst nach eingehender Analyse der Experten, die 30 Millionen Tonnen Kupfer im Berg vermuteten, entschied das Land Hessen 1949 den Wiederaufbau“, beklagt August Ratajczak das jähe Ende am 27. Oktober, dem so genannten „Schwarzen Freitag“ 1955.
Der Kupferschiefer-Bergbau  ist aber in Sontra nie in Vergessenheit geraten. Zwar wurde es bis Anfang der 80er Jahre ruhig um diesen Industriezweig, aber  nach ersten losen Zusammenkünften gründeten Bernhard Klotz, Werner Weinhardt, Bruno Krüger, Ernst Heckrodt und der heutige Vorsitzende August Ratajczak 1985 den Knappenverein Kupferschiefer-Bergbau in Sontra, der dann 1987 beim Amtsgericht in Eschwege eingetragen wurde.
Die Wertschätzung des Vereins ist riesig. In Sontra geht praktisch nichts ohne die Bergknappen. Und das beste Beispiel für den Stellenwert liefert die alljährliche Feier zu Ehren der Heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute. Nach dem Gottesdienst und dem feierlichen Zeremoniell am 1963 gebauten Barbarastollen füllen die Bergknappen mit ihren Gästen den großen Saal des Bürgerhauses, wenn das traditionelle Tzscherperfrühstück gereicht wird. Alle Vereine der Kupferstadt sind dabei vertreten.
 
 
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