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Volksbrauch, soziale Handlung mit Wiederholungscharakter, die unterschiedliche Handlungselemente enthält und als Bestandteil des Alltagslebens instrumentelle und zeichenhafte Funktion besitzt; wird zu den »Regelmäßigkeiten im sozialen Handeln« gezählt.
 
Die konkreten Ausformungen von Bräuchen umfassen nicht nur die normierten kulturellen Verhaltensweisen des Lebens- und Jahreslaufs, sondern ebenso den Alltag des Einzelnen und der sozialen Gruppen (z. B. Bekleidungsgewohnheiten, Brauch zur Aufnahme oder zum Abschluss bestimmter Arbeiten, sowie traditionelle Handlungen). Hinzu kommen Bräuche aus dem Bereich der Arbeitswelt, besonders des Handwerks und der Landwirtschaft . Brauchträger waren im 19. Jahrhundert oftmals Vereine, die Geselligkeit und kulturelles Anliegen ohne normierende Vorgaben selbst stilisierten. Unter dem Einfluss von Tourismus und Kulturindustrie setzte sich im 20. Jahrhundert die als folkloristisch verstandene öffentliche, organisierte und kommerzialisierte Brauchpflege fort. Damit erfahren Bräuche veränderte soziale Qualitäten und unterliegen wechselnden ästhetischen und ideologischen Zeitgeistströmungen.
 
Die früher für die Gesamtheit der Sitten und Bräuche übliche Bezeichnung Brauchtum wird von der Wissenschaft (v. a. Volkskunde, Historische Anthropologie, moderne Kulturgeschichte) nur noch einschränkend benutzt; im Sprachgebrauch ist damit auch die bewusste Traditions- und Brauchtumspflege gemeint. Zunächst war der Brauch Gegenstand volkskundlicher Forschung, heute sucht die Brauchforschung mit konsequent historischer Methodik die Entwicklung von Brauchphänomenen in den Bindungen an Ort, Trägerschicht und kulturelle Umwelt sowie ihrem ständigen wirtschafts-, sozial- und geistesgeschichtlichen Zusammenhang und Wandel zu erfassen. Über die brauchformenden gesellschaftlichen Kräfte von Kirche und weltlicher Herrschaft verschmolzen im mittelalterlichen Europa keltische, germanische und slawische Formen und Vorstellungen mit christlich antikem Traditionsgut, sodass sich im Nachhinein nicht von Überlebseln  reden lässt, wie das die mythologische Denkweise des 19. Jahrhunderts tat. Die moderne volkskundliche Forschung betont deshalb, dass sich Brauchformen in ihrer Entwicklung allgemein mit empirischen Methoden und belegt in den Quellen maximal bis ins hohe und späte Mittelalter zurückverfolgen lassen.  - Verwandte, jedoch eigene Begriffe für Brauch sind Gewohnheit, Ritus, Sitte, Tradition.
 
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