Die beinharte Arbeit unter Tage Rund um Sontra blickt der Bergbau auf eine über 500-jährige Tradition zurück. Bereits um 1460 wurde auf dem Wellkopf Kupferschiefer abgebaut. 121 historische PingeAn sind dort noch zu erkennen.Nach 1500 wurde das Feld jedoch aufgeben. Die Bodenschätze waren erschöpft. Doch an anderen Stellen im Richelsdorfer Gebirge ging der Bergbau weiter. Neben dem Kupfer wurde dort in den folgenden Jahrhunderten nach Kobalt, Nickel und Schwerspat gesucht. Erst in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts wurden die letzten Stollen geschlossen und damit der Bergstadt Sontra beinahe die Lebensgrundlage entzogen. Heute kümmert sich der Knappenverein darum, die Erinnerung an diese Zeit wach zuhalten. August Ratajczak ist einer der Veteranen des Vereins und freute sich besonders, die Mitglieder des Werratalvereins auf einem Tagesausflug auf den Spuren des Bergbaus in Sontra und Nentershausen begleiten zu können.Nach einem Spaziergang durch die urige Bergarbeitersiedlung in der Kupferstadt, wo ab 1937 über 550 Wohneinheiten für die Kumpels geschaffen worden waren, führte August Ratajczak die Mitglieder auf den Wellkopf. Trotz der nachgewachsenen Vegetation sind hier die Spuren des historischen Bergbaus zu erkennen. Das Erdreich macht den Eindruck einer Kraterlandschaft, ist durchlöchert wie Schweizer Käse. Im Spätmittelalter schufteten die Bergleute an diesem Hang unter freiem Himmel, gruben tiefe Löcher, um die Kupfer führenden Schieferschichten aus dem Berg zu brechen, während Knechte das Wasser aus den Gruben schöpfen mussten.1999 wurde am Fuß des Berges sogar ein historischer Drainage-Stollen gefunden. Das mittelalterliche Pingenfeld am Wellkopf gehörte in den vergangenen Jahrzehnten dem Militär. „Das ist ein Glückfall“, meint Ratajczak: „Die Bundeswehr führte hier keine Übungen durch, sondern bewahrte dieses Kulturdenkmal vor der Zerstörung.“Weiter ging es nach Nentershausen, wo Heinz Probst zur Grube Münden führte. Dort, wo heute nur noch der architektonisch gefasste Eingang an den Schacht erinnert, reichte der Stollen bis 1951 über 700 Meter tief in den Berg hinein. Auf 18 übereinander liegenden Sohlen wurde Schwerspat abgebaut. Eine Schmalspurbahn transportierte das Gestein nach Sontra, wo es gemahlen wurde. In den 1920er Jahren arbeiteten knapp 300 Kumpel in der Grube. Die Erinnerung daran wird im Bergbaumuseum Nentershausen bewahrt, das eine beeindruckende Sammlung zeigt. Vor allem die Fotografien, die das Schuften der Bergleute in den engen Stollen zeigten, gingen den Teilnehmern sehr nahe.Beim Anblick eines „Hunte-Jungen“ etwa, der durch einen nur 50 Zentimeter hohen Schacht kriecht und dabei mit dem Fuß eine Karre hinter sich herzieht, gerieten die Betrachter ins Grübeln. Von Bergmannsromantik war auf diesen Bildern nichts zu sehen. Die Arbeit unter Tage war ein beinharter Knochenjob unter menschenunwürdigen Bedingungen, der Körper und Gesundheit der Bergleute vorzeitig verbrauchte. Nach einem Besuch des Brodbergs, wo unter dem NS-Regime Europas größte Kupferschiefer-Verhüttungsanlage aus dem Boden gestampft worden war, ging es zum zünftigen Tzscherperfrühstück ins Hotel Link. Rote Wurst, Gurke und Fettenbrot - das war das die traditionelle Zwischenmahlzeit der Bergleute, die auch den Teilnehmern der Exkursion mundete.
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